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Schlecker-Urteil: Antwort des Rechtsstaates auf fehlende Unternehmensverantwortung

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Schlecker-Urteil: Antwort des Rechtsstaates auf fehlende Unternehmensverantwortung

Rund 27.000 Schlecker-Frauen vom Bankrott betroffen

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat das Urteil zur Bewährung gegen Anton Schlecker sowie die Freiheitsstrafe für seine Kinder Lars und Meike als „Antwort des Rechtstaates auf diese Form der Wirtschaftskriminalität und fehlende Unternehmensverantwortung“ bezeichnet. „Die Wut und die Verbitterung der 27.000 Frauen, die von heute auf morgen auf die Straße gesetzt und ihrer Existenzgrundlage beraubt wurden, hat die jetzt Verurteilten nie interessiert. Stattdessen hat sich die Unternehmerfamilie Schlecker öffentlich selbst bemitleidet und gleichzeitig Millionen Euro aus dem Geschäft verschwinden lassen“, erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Man wisse nicht, ob die Überweisung von vier Millionen Euro zur „Schadensregulierung“ kurz vor dem Urteil das Gericht im Fall Anton Schlecker milde gestimmt habe. „Davon bekommt allerdings keine ehemalige Schlecker-Frau einen neuen Arbeitsplatz oder ihr entgangenes Gehalt“, so Nutzenberger.

Der Schlecker-Bankrott hätte die Existenzgrundlage vieler Frauen vernichtet, die teilweise heute noch arbeitslos sind und von Hartz IV leben müssen. „Schlecker war ein Familienunternehmen, das sich nur um die eigene Familie, aber nie um die Familien der Beschäftigten gekümmert hat“, sagte Nutzenberger. Die Uneinsichtigkeit der Unternehmensleitung habe zu der Insolvenz geführt. Warnungen und Hinweise der Schlecker-Betriebsrätinnen vor der extremen wirtschaftlichen Schieflage des Unternehmens hätten Schlecker nicht interessiert.

Gekündigt wurden bis Mitte 2012 wegen der Schlecker -Pleite in zwei Wellen rund 27.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Vermittelt werden konnten laut Bundesagentur für Arbeit (BA) bis Ende März 2013 nur etwa 50 Prozent der ehemaligen Beschäftigten. Die Zahl schwankt regional erheblich.

Den übrigen Beschäftigten wurden mehrheitlich zum Teil eng befristete Teilzeit-Verträge angeboten. Fast immer lagen die Löhne weit unter den Tarifen für den Einzelhandel.

Die Lage der ehemaligen Schlecker-Frauen in Deutschland ist heute unübersichtlich. Es gibt keine organisatorische Klammer mehr. Einige wenige haben einen etwa sozial gleichwertigen Arbeitsplatz bekommen, viele müssen sich auf materiell niedrigerem Niveau einrichten.